Dienstag, 12. Juli 2016

Es ist drin!

Einiges ist diese Woche "drin". Doch fangen wir erst mal mit etwas an, was nicht mehr reingeht. Eingebaut wurde eine Notstrickleiter von Osculati. Wer kennt nicht die Geschichte von den sechs, sieben, acht, neun, ... toten Seglern, die vergessen hatten, vor dem Sprung ins kühle Nass die Badeleiter raus zu hängen. Seit dieser Zeit werden bei vielen neuen Yachten Notleitern verbaut. Bei uns auch. Unser Fehler war, die Notleiter einmal zu entfalten - man ist ja neugierig. Und seitdem braucht es keinen "Pull to Open" mehr, sondern der Behälter öffnet sich ungefragt und mit einer gewissen Hartnäckigkeit von selbst. Vermutlich braucht man ein Spezialprogramm zur Computersimulation, um herauszufinden, wie die Leiter aufgewickelt werden muss, damit das Ding zu bleibt!
Notleiter im Normalzustand
"Drin" ist dagegen unser Trailer und zwar in unserem Garten, denn der Zeitpunkt für den Abtransport naht. Und der gestaltet sich als spannend. Die ursprüngliche Planung, die 45m zur nächsten Straße mit einem großen Kran zu überbrücken, erhielt einen gehörigen Dämpfer. Die eingeladenen Kranfirmen bereiteten uns darauf vor, dass die anschließende Beseitigung der von einem 60t-Kran angerichteten Verwüstungen ein Mehrfaches der Krankosten betragen könnte. 
Auch der Alternativplan, das Boot mittels Hubschrauber auf den Trailer zu befördern, hat sich buchstäblich in Luft aufgelöst. Beim Baubeginn 2013 war ein Hubschraubereinsatz noch eine recht brauchbare Option, doch 2014 kam eine neue EU-Verordnung - und das war's.
Nach intensivem Studium von Google Earth (man kennt ja sonst seine Nachbarschaft nicht) kamen wir dann auf die Idee, den Kraneinsatz an einen anderen, günstigeren Ort zu verlegen. Beim Kranen über 12m kommt man mit einem kleineren, billigeren und straßenfreundlicherem Kran aus. Um das Boot zu diesem Ort zu bringen, war es erst nötig, den Trailer von der Straße in das Gelände (Amtsdeutsch: außerhalb innerorts) zu kranen (das Zugfahrzeug konnte selbst fahren). Die Fahrt durch drei Gärten verlief relativ problemlos, die Grundstückeigentümer waren uns wohl gesonnen. Immerhin mussten einige Zäune niedergelegt, der eine oder andere Ast abgesägt und ein Busch ausgegraben werden.

Fahrt durch die Gärten

Angekommen.
In den nächsten Wochen werden wir unter anderem damit beschäftigt sein, Kiri möglichst schonend auf den Trailer zu bugsieren - ohne Kran. Im Prinzip wird es so ablaufen, den Trailer unter das Boot zu schieben und dann die Stützen des Rumpfes zu entfernen. Die Ausleger können dann mit ein paar starken Helfern seitlich dazu gepackt werden.

"Drin" ist auch das Schwert. Hier mussten wir erst eine Grube graben, damit wir Platz genug hatten, das Schwert in den Schwertkasten zu schieben. Nach einigen Mühen war es drin und die Achse durchgeschoben. Mit zwei Leinen kann es nun vom Cockpit aus bedient werden. Die Leinen laufen vom Schwert durch den Schwertkasten, dann durch die Maststätze (die auf dem Schwertkasten sitzt) und treten dann in Nähe des Mastes an Deck aus.
Für Nichtsegler: warum braucht man ein Schwert? Um bei der Fahrt am Wind oder bei raumem Wind, also Wind von schräg vorn oder von der Seite, nicht seitlich abgetrieben zu werden. Bei der Fahrt vor dem Wind wird das Schwert gewöhnlich eingezogen, um den Widerstand im Wasser zu verringern. Auch bei Sturm, im Flachwasser oder beim Trockenfallen wird das Schwert eingezogen.


Drin ist drin
Wie man sieht, haben wir inzwischen das Antifouling gestrichen. Auf das populäre selbstpolierende Antifouling haben wir verzichtet und statt dessen ein Hartantifouling verwendet. Der Grund ist, dass wir das Boot trailern und auch ab und zu trocken fallen wollen. Ein weiches Antifouling würde dabei leiden und wohl auch recht giftige Farbpartikel im Sand verlieren.