Montag, 17. Juli 2017

Der lange Marsch durch die Institutionen

Inzwischen als geheilt entlassen, wenn auch mit ein paar mehr Ersatzteilen im Körper, kann ich mich wieder intensiver um Kiri kümmern. Doch zuerst meldete der Trailer Handlungsbedarf an.

1.Akt

Wir hatten uns den Bootstrailer letztes Jahr von DAV in Limburg bauen lassen. DAV hat ihn dann auch beim TÜV vorgeführt und die Zulassungsbescheinigung austellen lassen - als Bootstransporter. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, war das falsch. Jedenfalls gab es dann auf der Zulassungsstelle eine längere Diskussion (1 Antragsteller, drei Sachbearbeiter), ob der Hänger ein grünes oder ein schwarzes Nummerschild bekommt. Ich hatte schon vorsichtshalber eine Hängerversicherung bei der HUK abgeschlossen. Die Entscheidung fiel dann für das schwarze Nummernschild, also steuer- und versicherungpflichtig. Mir war dabei auch wohler, denn in Internetforen geistern schreckliche Mutmaßungen umher, was einem bei einem grünen Nummernschild alles passieren kann. Steuerhinterziehung ist zwar für viele ein Kavaliersdelikt, kann aber doch unangenehm werden.
Einige Wochen später hatte ich dann auch für das Boot eine Haftpflichtversicherung bei Gallion abgeschlossen. Und siehe da, der Hänger war mit eingeschlossen. Brauche ich dann noch die separate Hängerversicherung? Ein genauerer Blick in die HUK-Versicherungspolice klärte mich auf: Bootstrailer sind von der Versicherung ausgeschlossen! Kurzerhand habe ich die HUKVersicherung gekündigt, auch weil die Versicherungspolice des Zugfahrzeugs sagte, dass Anhänger mit in der Haftpflichtversicherung des Zugfahrzeugs eingeschlossen sind, solange sie angekuppelt sind.

2. Akt

Gelegentlich bin ich dann bei der Zulassungsstelle vorbei und habe mitgeteilt, dass ich die ursprüngliche Versicherung gekündigt habe und der Hänger beim Boot mitversichert ist. Ja, okay, dann müsste das aber der Bootsversicherer auf elektronischem Wege mitteilen. Ich habe dann Gallion angerufen und um entsprechende Aktion gebeten. Der freundliche Herr am anderen Ende der Leitung erklärte mir, das könnten sie gar nicht, sie hätten überhaupt keine Einrichtung dafür. Für was dann der Einschluss des Hängers gut sein soll, war mir zu dem Zeitpunkt nicht ganz klar. Ich habe dann beschlossen, die Sache erstmal auf sich beruhen zu lassen.

3. Akt

Bis dann vorletzten Freitag ein Schreiben von der Zulassungstelle kam. Darin wurde mir eine Strafe von €300 und die Stilllegung des Hängers in Aussicht gestellt. Die Gebühr von €43 für dieses Schreiben sei sofort zu bezahlen. Da hilft wohl nichts, dachte ich und schloss gleich am Montag bei der DEVK eine Hängerversicherung ab, auch wenn der Hänger nun dreifach versichert war. Diesmal habe ich das Kleingedruckte genauer gelesen.
Am Dienstag erhielt ich einen Anruf von der Zulassungsstelle, sie hätten einen Fehler gemacht. Ich möchte doch mit dem schwarzen Nummernschild vorbeikommen, es würde in ein grünes Nummerschild umgetauscht. Bootsanhänger bekämen immer ein grünes Nummernschild.
Am Mittwoch war ich auf der Zulassungsstelle. So weit lief alles gut, nur hatte ich in der Hektik statt des Fahrzeugscheins den Fahrzeugbrief mitgenommen. Aktion abgebrochen.
Am Donnerstag war ich wieder auf der Zulassungsstelle mit dem Fahrzeugschein und meinem immer noch schwarzen Nummernschild. Wie der Zufall so spielt, diesmal bei der Sachbearbeiterin, die den Hänger vor einem Jahr zugelassen hatte und sich noch an den Fall erinnerte. Sie holte dann die Zulassungsbescheinigung hervor und meinte: Wir haben doch alles richtig gemacht, hier steht "Bootstransporter" und nicht "SDAH f. SPORTGERÄTE". Nur letzteres würde für ein grünes Kennzeichen berechtigen. 
Alles für die Katz? Von wegen, jetzt wurde es erst richtig interessant. Ich fragte, wie denn ein Sportgerät definiert sei, wir wollten mit dem Boot eher keine Regatta fahren sondern unsern Urlaub darauf verbringen, und wenn Sportgerät, was dürfte an Bord sein, ohne mit dem Fiskus in Konflikt zu geraten. Das wüsste sie auch nicht, meinte sie, aber wir hätten Glück, der Zoll wäre im Haus (öffentliche Zollsprechstunde - ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt). Also sind wir beide in die Zollsprechstunde marschiert, während im Wartebereich der Zulassungsstelle allmählich die Sitzplätze knapp wurden.
Die Auskunft vom Zoll war kurz, knapp und erleuchtend. Ja, ein Boot sei als Sportgerät anzusehen, auch wenn man darauf seinen Urlaub verbringt. Und ja, man darf Gegenstände des Törnbedarfs an Bord haben. Was man nicht darf, ist damit Güter zu transportieren wie Vieh, Möbel, Elektrogroßgeräte, etc.
Also wurde beschlossen, den Hänger umschlüsseln zu lassen. Dazu musste ich zum TÜV. In zehn Minuten und unter Zahlung von €40 war das erledigt. Nun mit der geänderten Zulassungsbescheinigung zurück zur Zulassungsstelle. Nach Zahlung von weiteren €15 sollte ich dann den neuen Fahrzeugbrief erhalten (Haben Sie den alten dabei? Hatte ich natürlich nicht.) und durfte dann mit dem schwarzen Schild zum Schilderladen, die für €3 den Farbwechsel vornahmen. Der neue Brief ist jetzt bei der Zulassungsstelle hinterlegt und muss gelegentlich von mir noch abgeholt werden. Die DEVK-Versicherung konnte ich noch stornieren.

Insofern ist die Sache doch noch ganz gut ausgegangen. Die verschiedenen Gebühren kann ich verschmerzen - immerhin spare ich für die nächsten Jahre die Kfz-Steuer und die Versicherung. Der Hänger ist - wenn angekuppelt - mit dem Zugfahrzeug versichert, und - wenn abgekuppelt - mit dem Boot. Und ich weiß nun, was auf einem Trip ins Boot gehört und was ins Auto...

Samstag, 20. Mai 2017

Long time, no see...

Der letzte Post war im November und ich habe schon ein schlechtes Gewissen, das Bloggen vernachlässigt zu haben. Aber der Winter war kalt, das Frühjahr nass und kalt - allzuviel konnte ich an Kiri nicht machen. Außerdem hat mich mein anderes Hobbyprojekt (http://www.photozora.de) ziemlich in Beschlag genommen.

Zum letzten Post (Schaltplan) gibt es noch etwas nachzutragen. Inzwischen hat sich die automatische Sicherung, die auch als Hauptschalter dient, verabschiedet. Ein starker Einschaltfunke hatte die Kontakte fest miteinander verschweißt. Schuld ist die kapazitive Last des 5kW-Inverters.
Hier muss noch etwas getan werden. Der Plan ist, zunächst die Kondensatoren des Inverters über einen Widerstand (relativ) langsam aufzuladen, um dann nach einer kurzen Pause den Widerstand zu überbrücken, und so die volle Leistung zur Verfügung zu haben. 

Weiter ging es - trotz kaltem Wetter - mit dem Innenausbau. Die Schotten und der Kartentisch wurden mit Ahornfurnier beklebt - ich möchte einen hellen Innenraum. Verwendet wurde Easiwood von Schorn & Groh, verklebt wurde mit Pattex. Richtig glücklich wurde ich mit dem Material nicht, je nach Luftfeuchtigkeit wirft es Blasen. Es dehnen sich wohl Holzschicht und das damit verbundene Vlies bei Änderung der Luftfeuchtigkeit unterschiedlich aus. Könnte man zur Wettervorhersage verwenden. 

Furniertes Schott

Furnierstreifen in der Koje

Alle Wandflächen wollte ich freilich nicht furnieren - das würde allzu sehr nach Holzkiste aussehen. Gestrichene Wände erschienen mir zu "nackt", außerdem wäre noch erhebliches Spachteln und Schleifen notwendig geworden. Die in vielen Booten übliche Wandbekleidung aus Vinylleder gefällt mir überhaupt nicht, außerdem ist das Zeug ziemlich schwer.
Durch Zufall entdeckte ich Baumwollputz, der im Wohnbereich recht angenehm ist. Vorsichtshalber machte ich einen kleinen Test. Baumwollputz wurde auf ein Stück Holz aufgebracht, dann noch mit Salzlösung eingesprüht, um einen maritimen Einsatz zu simulieren. Dann wurde das Stück über Winter ins Boot gelegt. Tatsächlich hat es nicht geschimmelt - dem Schimmelpilz war es schlicht zu nass. Durch das  Salz hat die Baumwolle die Feuchtigkeit wie ein Schwamm aufgesaugt. Nebeneffekt: man konnte den Putz mit einem Finger leicht wieder von seiner Unterlage entfernen.

Also Baumwollputz adé. Die Putzidee blieb allerdings. Jetzt verwende ich ein Gemisch aus 1mm-Styroporkügelchen, Glashohlkügelchen (Microspheres), D4-Holzleim, Wasser und Pigment. Die Masse wird mit der Kelle auf die Wand aufgetragen, nach dem Austrocknen noch mit Holzleim überstrichen, um die Oberfläche widerstandsfähiger zu machen. Diese Beschichtung ist wasserfest, wärme- und schalldämmend und leicht. Ich bin gespannt, wie sich das in der Praxis bewährt; es ist mir klar, dass das ein Experiment ist.

Seitenwand teilweise verputzt. Die konkaven Flächen sind am schwierigsten.
Inzwischen sind die Temperaturen wieder so weit, dass man auch außen wieder etwas machen kann. Ein etwas größeres Unterfangen ist die Selbstwendeeinrichtung für das Vorsegel. Ursprünglich hatte ich dafür einen 3D-Holepunkt angedacht, doch ist das Vorsegel so tief geschnitten, dass dafür nicht genügend Platz ist.
Also muss doch eine Schiene mit Schlitten montiert werden. Die Leinenführung habe ich mir bei Hanse abgeguckt; Am Schlitten sitzt ein Block mit Hundsfott, am Vorsegel ein Talljenblock. Das Schot läuft vom Schlitten zum Vorsegel, von dort zurück  zum Schlitten, von dort hoch in den Mast, wo es durch einen weiteren Block in den Mast umgelenkt wird. Im Mast läuft es zu einem Block am Mastfuß und von dort ins Cockpit.Der Vorteil dieser Anordnung ist geringere Reibung, und es wird nur die halbe Kraft am Schot benötigt. Die Schiene muss freilich in zwei Richtungen gebogen sein: horizontal zum Vorsegel hin und vertikal zum Eintrittspunkt im Mast hin.

Die Schiene für die Selbstwendeeinrichtung und die vorgefertige Unterlage.

Zum Einsatz kam eine Travellerschiene von Pfeiffer, die auch das Biegen erledigt haben (über SVB), und ein Schlitten mit kugelgelagerten Metallrollen. Die Schiene wird auf einer entsprechend gebogenen Unterlage aus Schaum und Glasfaser befestigt, die ich bereits im Winter angefertigt hatte. Diese Unterlage wird im Deck versenkt angebracht und mit dem Deck verklebt.

In das Deck geklebt.

In der Decksmitte ist die Unterlage deutlich versenkt.
Da sie direkt vor der Maststütze sitzt, stört das nicht weiter.
Eigentlich hatten wir vorgehabt, im Juni nach Dänemark zu fahren, um dort Kiri endlich zu Wasser zu lassen. Doch wie das Leben so spielt, muss ich erstmal zur Reparatur ins Krankenhaus. Der Stapellauf ist nun auf September verschoben. 

Sonntag, 27. November 2016

Schaltpläne

In einem der letzten Blogs hatte ich versprochen, die Schaltpläne der Kiri-Elektrik zu veröffentlichen. Hier sind sie nun. 
An Bord gibt es vier verschieden Spannung. Zunächst die Haupt- und Fahrbatterie mit 48V. Dann das Bordnetz mit 12V und zwei 5V USB-Steckdosen zum Aufladen von Smartphones und dergleichen. Und schließlich das 230V-Netz für Küchengeräte, Elektrowerkzeuge und andere Haushaltselektrogeräte.
Fangen wir mit dem 48V-Netz an.
48V/Netz (zum Vergrößern anklicken)
 Als Stromerzeuger dienen ausschließlich zwei Solarbänke, die parallel geschaltet sind und über einen MPPT-Regler das Netz speisen. Der Regler ist so programmiert, das er für die Lithium-Ionen-Haupbatterie die richtigen Ladephasen erzeugt. Im Unterschied zu Bleiakkus vertragen Lithium-Akkus keine Erhaltungsladung, das heißt, der Regler muss beim Erreichen der Maximalspannung komplett abschalten und erst wieder einschalten, wenn die Spannung unter einen bestimmten Wert gefallen ist.
Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Batterie auch mit Landstrom aufzuladen. Dazu wurden zwei 900W-Ladegeräte installiert. Falls ein Ladegerät kaputt geht, hat man immer noch eins, lädt dann aber etwas länger. Außerdem kann man ein Ladegerät stilllegen, wenn der Landstromanschluss keine 1,8 kW her gibt.
Die Sicherung ist eine Automatiksicherung, die auch als Hauptschalter dient. Die Batterie hatte ich ja schon in einem früheren Post vorgestellt. Inzwischen habe ich mich dazu entschlossen, doch einen Balancer in die Batterie einzubauen - hauptsächlich um das manuelle Balancieren zu vermeiden.
Die Batterie versorgt den Fahrmotor, den Inverter für das 230V-Netz und einen DC/DC-Konverter für das 12V-Netz. Ein Batteriemonitor hilft, den Ladezustand der Batterie zu überwachen.
Was bei diesem Netzaufbau leider nicht geht, ist die Reichweitenabschätzung des Torqeedo-Motors. Das würde nur mit einer Original-Torqeedo-Batterie gehen. 

Kommen wir zum 230V-Netz.

230V-Netz
Ein 5kW-Simus-Wechselrichter speist dieses Netz. Es ist mit einer Fernsteuerung versehen, die in der Küche installiert wurde. Wird Haushaltsstrom benötigt, wird zunächst der Wechselrichter eingeschaltet. Wichtig ist, den Wechselrichter wieder nach Gebrauch auszuschalten, denn er verbraucht im Ruhezustand etwa 40W - also etwa soviel wie der Kühlschrank.
Den Durchlauferhitzer für das Warmwasser habe ich noch nicht zum Laufen gebracht - wahrscheinlich ist der Wasserdruck zu gering. Mal sehen. Wie man sieht, übersteigen die angeschlossenen Verbraucher die Leistung des Wechselrichters erheblich. Deshalb wurde ein Lastabwurfrelais eingebaut. Wird z.B. die Kochplatte angeschaltet, wird der Durchlauferhitzer ausgeschaltet.
Das 12V-Netz ist natürlich das umfangreichste, dürfte sich aber von anderen Booten nur unwesentlich unterscheiden.
12V-Netz (zum Vergrößern anklicken)

Gespeist wird dieses Netz von zwei DC-DC-Wandlern, die zusammen etwa 18 Ampere liefern. Kurzfristig können diese Wandler auch höhere Ströme liefern, so dass die Versorgung des leistungsstärksten Verbrauchers, der elektrischen Toilette, gewährleistet ist. Die ursprünglich geplante 12V-Pufferbatterie habe ich zunächst einmal weggelassen. Sollte ich sie doch noch einbauen, so wäre noch ein extra Laderegler nötig, um auch für diese Batterie die schädliche Erhaltungsladung zu verhindern.
Bei der Trinkwasserpumpe habe ich eine einfache Pumpe ohne Druckregler eingesetzt. Die Wasserhähne habe Schalter eingebaut. Wir ein Wasserhahn geöffnet, läuft die Pumpe los, wird er geschlossen, stoppt sie wieder. Das braucht zwar extra Signalleitungen, verhält sich aber bei eventuellen Lecks besser. 
Etwas Kopfzerbrechen hatte mir die Instrumentbeleuchtung gemacht. Diese umfasst die Beleuchtung des Kompasses und die Indikatorlampen der verschiedenen Schalter. Zunächst hatte ich den Effekt, dass das Kompasslicht an ging, wenn der Kühlschrank ausgeschaltet wurde! Offenbar nahm der Strom Wege, die nicht vorgesehen waren. Inzwischen habe ich vor jede Indikatorlampe eine Diode geschaltet und das Problem ist gelöst.
Sehr praktisch sind die beiden 5V-USB-Ladebuchsen am Kartentisch. Hier lässt sich dann auch ein Bluetooth-Lautsprecher einstöpseln, der in Verbindung mit einem Smartphone für Unterhaltung an Bord sorgt.

Samstag, 8. Oktober 2016

Rückschläge


Inzwischen sind wir wieder aus Dänemark zurück. Die Erfahrungen sind ziemlich gemischt. Es gab große Enttäuschungen, aber auch Positives. Beginnen wir von vorn.

Ich hatte eigentlich vor, die Solarpanels noch fertig zu stellen und mit zu nehmen. Doch es rächte sich, dass die Trägerplatte mit Kohlefaser laminiert wurde. Nach dem Verdrahten des ersten Panels zeigte sich, dass feine Kohlefasern in den Bohrungen für die Verdrahtung Kurzschlüsse verursachten. Statt der erwarteten 50-60V Spannung lieferte das Panel nur 15V ab.
Nach einigem Nachdenken stellte ich das Panel kurzerhand in die pralle Sonne. Das Ergebnis war dies:

Solarzelle mit Brandfleck
Es schwelte und brutzelte. Doch nach einiger Zeit hörte die Rauchentwicklung auf und das Panel lieferte die volle Spannung. Offenbar waren die feinen Kohlefasern, welche die Kurzschlüsse verursacht hatten, verbrannt. Jedenfalls überlege ich noch, ob ich die Panels so verwende oder alles noch einmal neu mache. Die Panels blieben auf jeden Fall zu Hause.

Als Fahrttermin hatten wir das Wochenende nach Ferienschluss in Schleswig-Holstein gewählt. Dachten, dann sind die Straßen halbwegs frei. Lief am ersten Tag (bis Heidepark Soltau) recht gut - von den vielen Baustellen, Spurrillen und Holperstrecken auf der LKW-Spur abgesehen. Der Hänger ist auf 100 km/h zugelassen, so dass wir auch einigermaßen flott unterwegs waren.

Doch am nächsten Tag, am Sonntag, hat es uns dann eiskalt erwischt. Die A7 war um Hamburg herum gesperrt, der Verkehr wurde durch die Hamburger Innenstadt umgeleitet - bei einer Ampeltaktung von vier (!) Fahrzeugen. Wir standen drei Stunden im Stau. Danach lechzte der Gelbe nach Benzin. Fanden tatsächlich eine Tankstelle mit Parkplatz gegenüber.

Ein Vorteil von Sonntagen: die Supermarktparkplätze sind leer.
Kaum waren wir über die Grenze, änderte sich das Bild. Keine Baustellen mehr, aber die Straßen tiptop. Wie machen die das bloß? Die letzte Fähre von Fynhavn nach Roedby erwischten wir noch in letzter Minute.

Kiri im Bauch des Fährschiffs
Danach schauten wir kurz bei Jan vorbei und fuhren dann weiter nach Ballen, wo wir die nächsten zwei Wochen mit und in Kiri campierten. Ballen ist ein kleiner Ort in der Nähe von Svendborg an der Südküste von Fünen.


Der Mast ist noch in Arbeit

Hafen von Ballen am Abend
Die große Enttäuschung kam dann ein paar Tage später, als wir die Beams montieren wollten. Wir hatten diese vorher noch nicht montiert, so dass ich schon auf Überraschungen gefasst war. Jedenfalls gab es zwischen Rumpf, Auslegern und Beams einige Millimeter Abweichungen, und das reichte schon, um Spannungen zu erzeugen. Das Ergebnis waren Risse in Anschlüssen, die ein zu Wasser lassen des Bootes unmöglich machten. Hier waren Nachbesserungen erforderlich, die vor Ort nicht zu erbringen waren. Wir entschieden uns deshalb, noch die Silverrudder-Regatta abzuwarten und dann nach Hause zu fahren.

Ein Beam montiert
Ausleger montiert

Am nächsten Morgen
Wieder zusammengepackt
Dumm gelaufen. Aber nicht wirklich schlimm. Wir haben die Gelegenheit genutzt, und Jan gebeten, das Boot einer Inspektion zu unterziehen. Und in der Tat hat er noch ein paar kritische Stellen entdeckt. Die werden uns dann beim nächsten Besuch im Frühjahr garantiert nicht mehr ärgern.

Und nicht alles war schlecht. Nachdem wir die Zuleitung für den noch nicht vorhandenen Wassermacher mit einem Blindstopfen versehen und uns des Absperrhahns des Süßwassertanks erinnert hatten, klappte es mit der Wasserversorgung ganz gut.
Bewährt hat sich auch das elektrische System. Spass gemacht hat die Küche mit Zweiplatteninduktionsherd und Remoska. Wir haben sogar ein Essen für Jan und Anette gegeben mit Coq au vin und hausgemachten Spätzle. Das hat uns 18% der Batteriekapazität gekostet, was zu verkraften ist. Aufgeladen haben wir die Batterie alle drei Tage. Wenn nun erst die Solarpanels funktionieren ...
 

Auf dem Heimweg - wieder am Heidepark in Soltau


Sonntag, 28. August 2016

Kranen und danach

Am Samstag, den 13. August, war es dann soweit: Kiri legte das letzte Stück zur Straße per Kran zurück. Wir hatten ja vorher den Trailer in Karens Garten kranen lassen, durch drei Gärten hindurch gefahren, um dann das Boot darauf zu stellen und zurück zu Karens Garten zu ziehen. Nun war der Kran wieder da und zog zunächst den Trailer samt Boot noch ein paar Meter näher an den Zaun, um für das Kranen eine möglichst kleine Distanz zu haben.

Kran und Boot in Position
Auf Grund des Gewichts mussten die Teile einzeln gekrant werden. Zuerst der Rumpf, der hinter dem alten Schulhaus (weiter unten im Bild) zwischengelagert wird. Die beiden Ausleger werden von vier kräftigen Männern/Frauen vom Trailer gehoben und auf die Wiese gelegt.
Alice befestigt die vier Kranketten mit Hilfe unserer Wasserstagen an den Beamanschlüssen.
Zu unserer Hilfe waren extra zwei Zimmerinnen-Kolleginnen von Alice angereist. Auch sonst hatten wir einige Hilfe von Nachbarn und Freunden. Dafür sei allen herzlich gedankt.


Die "Damen Zimnmerinnen" mit Alice am Führungsseil. 

Kranen des Rumpf
(Photo: Dagmar Mlynczak)

Anheben des Rumpfs

Beim Anheben des Rumpf gibt es erst mal eine Schrecksekunde: der Bug hat Übergewicht und der Rumpf hängt mit der Nase nach unten am Kran. Wir entschließen uns, den Rumpf in seiner Schieflage trotzdem zu kranen und setzen ihn mit der Nase zuerst hinter dem alten Schulhaus auf.

Das war so nicht geplant. Beim nächsten Kranvorgang werden die vorderen Ketten verkürzt.


Geschafft. Der Rumpf steht sicher im Zwischenlager.
Anschließend wird der Trailer gekrant. Er wird in der Zufahrt abgestellt, aus der er später mit dem Zugfahrzeug herausgezogen werden kann.

Der Trailer am Haken
Anschließend müssen die Ausleger gekrant und auf dem Trailer abgelegt werden. Das klappt wunderbar - schließlich kann man die Ausleger mit ein paar Leuten leicht auf dem Trailer justieren.
Kranführer Steff von der "Baulust Se.Ga.Ti" beim Kranen eines Auslegers
Ablegen eines Auslegers auf dem Trailer
(Photo: Dagmar Mlynczak)

Dann kommt wieder der Rumpf dran. Er wird von seinem Zwischenlager gehoben und auf dem Trailer zwischen die beiden Ausleger gesetzt.

Maßarbeit. Dicht an der Wand des alten Schulhauses wird der Rumpf hoch gezogen ...
(Photo: Dagmar Mlynczak)

... herum geschwenkt ...
(Photo: Dagmar Mlynczak)

... zum Trailer befördert...
(Photo: Dagmar Mlynczak)
... und abgesetzt.
(Photo: Dagmar Mlynczak)
Anschließend ist noch etwas Feinjustierung erforderlich bis der Rumpf genau in der Mitte sitzt. Das geht nur mit der Hilfe des Krans.

Ganz schön stark, der junge Mann!
(Photo: Dagmar Mlynczak)
Fertig zum Wegfahren.
Das wäre geschafft. Entspannung macht sich breit. Und dann passiert's: beim Rausziehen des Trailers aus der Einfahrt übersehe ich in der Kurve das Geländer eines Trafohäuschens. Dieses bohrt sich in einen Ausleger und wir müssen uns mit dem Trennschleifer befreien. Der Ausleger hat ein Loch. Dieses ist inzwischen geflickt und einige andere Kratzer auch. Auf die Rechnung von der e-Netz Südhessen für das Geländer warte ich noch.

Das musste wohl passieren: immerhin war der dreizehnte.
Anschließend haben wir dann Kiri zu einem Nachbardorf gezogen, wo wir einen Stellplatz gepachtet haben. Hier sollen noch die restlichen Arbeiten ausgeführt werden.

Angekommen

Kiri mit ihren Hüterinnen, den beiden Ingrids

Und hier soll Kiri auch bleiben, wenn sie nicht auf Törn ist. Das muss klar gestellt werden, denn im Dorf hält sich das hartnäckige Gerücht, dass wir den Weg durch die Gärten jedesmal nehmen wollen, wenn wir auf Törn gehen. Das ist nicht so, definitiv. Einmal reicht!

Inzwischen sind wir dabei, die Solarpaneele zu bestücken und zu versiegeln. Insgesamt gibt es drei Panels, die aber in zwei Bänke aufgeteilt werden.


Das vordere Solarpanel. Einige Lücken sollen noch mit halben und drittel Zellen geschlossen werden.
Auch die Beams gehen der Vollendung entgegen. Die Hauptbatterie wurde eingebaut und wir haben nun an Bord die Spannungen 48V, 12V, 5V und 230V. Mehr zur Elektrik beim nächsten Mal. Tee gekocht haben wir schon auf unserer Induktionsplatte. Mit Batteriestrom.

Sonntag, 7. August 2016

Spannende Wochen

Das war dann doch Einiges an Arbeit, Kiri auf den Trailer zu kriegen. Die seitlichen Stützen unter den Püttings für die Auslegerstage waren für den Trailer zu eng und mussten durch provisorische Stützen unter den Anschlüssen für die Beams ersetzt werden. Zusätzlich wurde der Rumpf noch nach beiden Seiten abgespannt - nur zur Sicherheit.

Neu abgestützt. So passt der Trailer drunter - fast.
Das nächste Problem: Da das Gelände abschüssig ist, stand der Trailer leicht seitlich geneigt, der Rumpf dagegen in der Waage. Den Rumpf einfach runterlassen ging also nicht. Er hätte sonst schief auf dem Trailer gestanden.
Außerdem war der Trailer auf der Bergseite zu hoch. Es musste also eine Fahrrinne gegraben werden.

Trailer drunter geschoben. Links die Rinne.
Für das letzte Stück wird der Rumpf auf dem Trailer nach vorn geschoben.
Hilfsmittel ist dabei die Großschottalje und auch die Motorkraft des Zugfahrzeugs.

Und steht. Die Stützen sind entfernt.
Neben diesen Trailerarbeiten haben wir natürlich noch an anderen Sachen weiter gearbeitet. So wurde der Targabügel montiert. Der soll später GPS-Antenne, AIS-Antenne, Deckstrahler mit Bewegungsmelder und dann auch eine Radarantenne tragen.


Targabügel montiert

Die Halterung des Targabügels.
Nach Lösen der Schrauben lässt sich der Targabügel für den Transport nach vorne umklappen.
Inzwischen waren auch die Taue für die Wasserstage der Ausleger eingetroffen. Die sollen die Ausleger zum Rumpf hin abspannen. Nachdem die gewünschten Taue von Gleistein nicht lieferbar waren, haben wir ein Produkt von YSM gekauft. Durchmesser 18mm, Bruchlast 31,6 Tonnen und im zarten Rosa. Und das zu einem Bruchteil des Preises.

Alice macht einen Augspleiß
Inzwischen hatten wir unter Mithilfe von Nachbarn und Freunden auch die Ausleger auf den Trailer bugsiert. Auch das klappte nicht auf Anhieb. Die Reling des Trailers war im Weg, so dass die Ausleger etwas höher platziert werden mussten, und damit auch der Rumpf. Mit Hilfe eines Wagenhebers war das recht einfach zu bewerkstelligen. Die vorgefertigten Aufnahmen für die Ausleger passten dann natürlich auch nicht und mussten nachgebessert werden. Nach dem dritten Analuf saßen dann glücklich die beiden Ausleger auf dem Trailer.

Das nächste Problem hatte sich schon angekündigt, als der Rumpf allein auf dem Trailer saß: der Schwerpunkt war deutlich hinter den Achsen, so dass an der Deichsel die Last negativ war. Auch die Ausleger änderten daran nichts. Stellten Alice und ich uns beide auf die Deichsel, war der Trailer einigermaßen in Balance. Also eine Deichsellast von etwa -150 kg. Das geht natürlich überhaupt nicht. Erwünscht war eher ein Wert von +150 kg. 
Es blieb uns also nicht anderes übrig, als die Doppelachse 60 cm nach hinten zu verlegen. Dazu haben wir den gesamten Trailer samt Boot hochgebockt, die Verschraubung der Doppelachse gelöst, diese dann 60 cm nach hinten gefahren und wieder angeschraubt. Das war Arbeit für fast einen ganzen Tag (das Bremsgestänge musste entsprechend angepasst werden). Das Ergebnis: Eine Deichsellast von +128 kg.


Trailer hochgebockt
Am Samstag, den 6.8. war es dann soweit: das gesamte Boot mit Gurten verspannt auf dem Trailer und der Trailer in Balance. Der Weg durch die Gärten konnte beginnen. Als Zugfahrzeug hatten wir diesmal einen Traktor.


Transportfertig. Die Radkästen und der hintere Auszug wurden abmontiert.

Mein Arbeitsplatz seit dreieinhalb Jahren - nun kahl und leer

Kiri am Traktor (Arno am Lenkrad)
Befestigt wurde die Deichsel des Trailers an einem Kugelkopf, der auf einer Ackerschiene (danke Wilfried) befestigt war. Zunächst gab es hier auch Schwierigkeiten, da der Kugelkopf zu schräg stand und nicht in die Aufnahme der Deichsel passte. Nachdem wir zwei Aussparungen in die Ackerschiene geflext hatten, und die Ackerschiene dann halbwegs gerade stand, funktionierte es. Später sollte uns diese Konstruktion aus der Patsche helfen. Als der Traktor abgekoppelt wurde, klemmte die Aufnahme für den Kugelkopf. Also wurde am Traktor zunächst die Ackerschiene ausgekoppelt, die sich dann auch leicht vom Trailer lösen ließ.

Die Kordel sichert die Ackerschiene,
das Abreißseil (rot) leitet eine Bremsung auch bei Verlust der Ackerschiene ein.

Bergauf muss zusätzliches Gewicht auf die Vorderräder

 Und dann blieben wir stecken. Als wir den ersten Garten durchgequert hatten, gerieten wir an der Grenze zum nächsten Garten zu dicht an eine schöne Esskastanie. Zurückfahren und mit dem Traktor weiter nach rechts ging auch nicht.

Vorläufige Endstation

Nichts geht mehr
Nach langer Beratung wurde dann der Plan entwickelt, den Trailer um ein paar Zentimeter von der Esskastanie weg nach rechts zu versetzen. Dazu wurde der Trailer zunächst hinten so hochgebockt, dass er in der Waage mit einer leichten Neigung nach rechts stand. Die oberste Lage auf den beiden Böcken bestand aus zwei Plexiglasplatten, die gut aufeinander gleiten konnten. Nachdem die vorderen Räder noch mit Hilfe von Wagenheber bzw. Untergraben entlastet wurden, konnte der Trailer mit Hilfe der Großschottalje (8-facher Flaschenzug) und eines Wagenhebers zur Seite geschoben werden. Ankerpunkte in Form von Bäumen gab es ja genügend.
Von da ab ging alles recht einfach und flott. Am Abend erreichte Kiri ihren Bestimmungsort, steht jetzt auf Grundstück Nummer 4 und wartet auf den Kran.


Kiri auf der Fahrt durch den Odenwald.
Der Sonnenschirm verbreitet schon etwas Urlaubsatmosphäre.